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Literaturwissenschaftliche Begriffe

ad spectatores Akatalektisch Alexandriner
Allegorie Alliteration Alternierende Versmaße
Anachronismus Anagnorisis Anapher
Anfangsreim Antiphrasis Antithese
Argument Argument Assonanz
Asyndeton Atektonisch Auktoriales
Äußerer Reim oder Kettenreim Beiseite (à part) Binnenreim
Blankvers Commedia dell'arte Deklamation
Dénouement Diärese Diskurs
Dokumentartheater Doppelreim Ellipse
Emphase Enjambement Epilog Epiphera
Episches Theater Etymologie Exposition
Figura etymologica Gebrochener Reim Gespaltener Reim
Gleichnis Grammatischer Reim Hebung
Homilie Hyperbaton Hyperbel
Hyperkatalektisch Identischer Reim Indirekte Rede
In medias res Inreim Integration
Ironie Katalektisch Kontrast
Körner Kreuzreim Litotes
Männlicher Reim Metanymie Metapher Metrik
Metrum Mittelreim Mittenreim
Offene Formen Onegin-Strophe Opposition
Oxymoron Paarreim Parabel
Paralipse Paraphrase Peripetie
Personifikation Perspektive Plot
Polysyndeton Prolog Protasis
Reflexion Reimhäufung oder Haufenreim Reine Reime
Requisiten Rezeption Rhythmus
Rückblende Rührender Reim Schlagreim
Schweifreim Sonett Stilisierung
Syllabotonischer Versbau Symbol Synästhesie
Tektonik Tertium comparationis Tonischer Vers
Tragische Ironie Umarmender oder umschließender Reim Unreiner Reim
Vergleich Verschänkter Reim Weiblicher Reim
Zäsur Zäsurreim


ad spectatores

1. Prolog, Vorrede; 2. Beiseite(sprechen), gerichtete Nebenbemerkungen e. Schauspielers auf offener Szene, oft mit Überspringen der Bühnensituation.

Akatalektisch

Verse, deren letzter Versfuß vollständig ausgeführt wird.

Alexandriner

sechshebiger steigendalternierender (=jambischer) Reimvers mit deutlicher, stehender Zäsur nach der 3. Hebung, 12 (männlich/stumpf) oder 13 (weiblich/klingend) Silben.

Allegorie

Veranschaulichung 1. eines Begriffes durch ein rational faßbares Bild 2. eines abstrakten Vorstellungskomplexes oder Begriffsfeldes durch eine Bild- und Handlungsfolge .

Alliteration

gleicher Anlaut aufeinanderfolgender Wörter. Es alliterieren nur Hebungen: Enes weiß ich, das ewig lebet: der Toten Tatenruhm.

Alternierende Versmaße

beruhen bei akzentuierendem Versprinzip auf dem regelmäß. Wechsel druckstarker und druckschwacher, bei quantitierenden Versprinzip auf dem regelmäß. Wechsel langer und kurzer Silben.

Anachronismus

unfreiwilliger oder aber auch beabsichtigt-witziger Fehler in der zeitlichen Abfolge oder Überlagerung von Geschehnissen, Gebräuchen, Denkformen, Personen und Gegenständen.

Anagnorisis

Umschlag von Unwissenheit in Erkenntnis: plötzliches Durchschauen eines Tatbestandes rhetor. Figur, Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang.

Anapher

rhetor. Figur, deren einzelne Glieder nicht nach dem Prinzip der Steigerung, sondern in ansteigender Folge gereiht sind: Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll.

Anfangsreim

Reim der ersten Wörter zweier Verse.

Antiphrasis

rhetor. Stilmittel, Tropus: meint das Gegenteil des Gesagten, iron., sarkast..

Antithese

Behauptung, die im Gegensatz zu einer bestehenden These aufgestellt wird. Stilist. Gegenüberstellung logisch entgegengesetzter, doch zu einem (meist ungenannten) Oberbegriff vereinbarer Begriffe, Urteile, Aussagen in Einzelworten, Wortgruppen o. Sätzen: Gut und Böse, Tugend und Lasten. Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang.

Argument

1. in der Rhetorik der auf einem Tatbestand beruhende Beweisgrund. - 2. einem Bühnenstück vorangesetzte, oft akrostichitisch gereimte Einleitung zur Erklärung und Begründung des folgenden Schauspiels, meist auch bloße Inhaltsangabe.

Assonanz

Gleichklang zwischen zwei oder mehreren Wörtern, auf die Vokale beschränkt, meist am Versende.

Asyndeton

in Ggs. zum Polysyndeton e. Reihe gleichgeordneter Wörter, Satzteile oder Sätze ohne verbindende Konjunktionen.

Atektonisch

nicht tektonisch sind Kunstwerke von offener Form, d. h. ohne fest geschlossenen Aufbau.

Auktoriales

Erzählen, im Ggs. zur objektiv-unmittelbaren Erzählung und zur Ich-Erzählung (Ichform) diejenige Erzählsituation, in der ein überschauender, kommentierender Erzähler in die Erzählung eingreift oder gar ihren Anlauf ordnet.

Äußerer Reim oder Kettenreim

die Reimanordnung nach dem Schema aba bcb cdc usw., d. h. der umschlossene Reim e. Dreizeilers wird in der folgenden Strophe zur umschließenden.

Beiseite (à part)

das Beiseitesprechen e. Schauspieler auf offener Szene, das wohl vom Publikum, scheinbar aber nicht von den übrigen Personen auf der Bühne gehört wird.

Binnenreim

allg. jeder Reim, von dem eins oder beide beteiligten Reimwörter im Versinneren stehen. Im engeren Sinne der Reim zweier Wörter innerhalb derselben Verszeile.

Blankvers

fünfhebiger akatalektischer oder hyperkatalektischer Jambenvers ohne Reimbindung.

Commedia dell'arte

volkstümliche ital. Stegreifkomödie mit fetstehendem Szenar (Handlungsablauf und Szenenfolge), das stereotype Verwicklungen variiert.

Deklamation

kunstgerechter Vortrag von Dichtwerken, bes. Gedichten; gelegentl. auch abwertend im Sinn von: eingelerntes, hohles Gerede.

Dénouement

Lösung der Konflikte oder Intrigen in Epik oder Drama, Katastrophe.

Diärese

in der Metrik Einschnitt im Vers, bei dem im Ggs. zur Zäsur Wort- und Versfußende zusammenfallen.

Diskurs

eifrige Erörterung, Unterredung, Gespräch, auch Abhandlung.

Dokumentartheater

Dokumentarstück, Dramenform des polit. Theaters in der 2. Nachkriegszeit, die als Reaktion gegen die Unverbindlichkeit der Brechtschen Parabel und aus Skepsis gegenüber der Möglichkeit, Menschen und gesellschaftliche Verhältnisse durch Phantasieprodukte von der Bühne herab zu verändern, Zuflucht zu archivalischem historischem Faktenmaterial sucht und es in mehr oder weniger unveränderter Form, in authentischen Szenen und quellenmäßig belegbaren Sätzen und Dialogen auf die Bühne bringt.

Doppelreim

3- oder 4-silbige Endreime mit der folgenden Zeile, die zwei Hebungen enthalten.

Ellipse

in der Stilistik die Weglassung e. minder wichtigen, aus dem Sinnzusammenhang leicht ersichtlichen, ergänzbaren und für die vollständige syntaktische Konstruktion notwendigen Wortes innerhalb eines Satzes.

Emphase

Nachdruck in der Rede als phonetisches Stilmittel (Betonung, Stimmhebung) zur Hervorhebung und stärkeren Eindringlichkeit e. Wortes oder Ausdrucks in seiner ganzen, sonst vielleicht überhörten Bedeutungsschwere und Hintergründigkeit.

Enjambement

Versbrechung, Zeilensprung, das Übergreifen des Satz- und Sinnzusammenhangs ohne emphatische Pause von einer Verszeile (Strophe) über deren Ende auf die folgende, so dass Satz- und Versende nicht zusammenfallen, der Satzschluss meist innerhalb einer Verszeile steht und deren metrische Einheit aufteilt.

Epilog

anschließendes Nachwort zur Erläuterung eines Literaturwerkes, bes. im Drama nach der Vorstellung von einem Mitwirkenden an die Zuschauer gerichtete Schlussrede, naive Form der Verbindungsnahme zum Publikum.

Epiphera

rhet. Figur: ausdrucksvolle Wiederholung desselben Wortes oder Wortgefüges jeweils am Schluss mehrerer aufeinanderfolgender Sätze o. Satzglieder: Ich sah auf dich und weinte nicht. Der Schmerz schlug meine Zähne knirschend aneinander; Ich weinte nicht...

Episches Theater

von B. Brecht formulierte und ausgebildete Theater- und Dramenform im Sinne der marxistische Kunsttheorie des sozialistischen Realismus.

Etymologie

die Lehre vom wahren Sinn und der urspr. Grundbedeutung der Wörter.

Exposition

wirkungsvolle Einführung des Zuschauers in Grundstimmung, Situation und Personen des Stückes und Darbietung der für das Verständnis wichtigen Voraussetzungen, die zeitlich vor Beginn der eigentlichen Bühnenhandlung liegen.

Figura etymologica

Wortspiel ähnlich der Paronamasie: Verbindung zweier Wörter desselben Stammes zu ausdrucksgesteigerter Bz. eines Begriffes, am häufigsten Verbindung von (meist intransitivem) Verb mit stammverwandtem Nomen als innerem (Akkusativ-)Objekt oder Subjekt.

Gebrochener Reim

verstärkte Form des Enjambements, benutzt e. im Wortinnern stehende Silbe zur Reimbindung, meist humorvoll.

Gespaltener Reim

Reim, bei dem sich die Reimsilben auf zwei oder mehrere kurze Wörter, nicht nur ein Reimwort verteilen.

Gleichnis

Großform des Vergleichs: poetische Veranschaulichung e. Sachverhalts durch Vergleichung e. analogen Vorgangs oder Zustands aus e. anderen Lebensbereich, der sich im Ggs. zur Fabel nur in einem wesentlichen Punkt einleuchten mit dem Gemeinten berührt, so daß Bild und Gegenschein wechselseitig die Bedeutung erhellen, die ausdeutend direkt hinzugefügt wird.

Grammatischer Reim

verbindet Wörter des gleichen Stammes, oft auch Flexionsformen desselben Wortes ohne Rücksicht auf Gleichklang.

Hebung

die betonte, d. h. rhythmisch-akzentuell hervorgehobene Silbe im dt. Vers im Ggs. zur Senkung; in Übereinstimmung mit der gewöhnlichen Wortbetonnung.

Homilie

eng an den Bibeltext sich anlehnende und ihn auslegende Predigt.

Hyperbaton

beliebte rhetorische Figur: Sperrung, Abweichung von der „üblichen“ Wortstellung und künstliche Trennung e. syntaktisch zusammengehörigen Wortgruppe zu „Spreizstellung“ durch eingeschobene Wörter oder Voranstellung e. betonten Wortes, oft auch Verschränkungen aus rhythmischen Gründen, letztlich auch Inversion.

Hyperbel

in der Stilistik Übertreibung des Ausdrucks in vergrößerndem oder verkleinerndem Sinne bei der Charakterisierung (auch Gleichnis) e. Objekts oder e. Eigenschaft, die, wenn wörtlich genommen, ins gegenständlich Unmögliche gesteigert wird.

Hyperkatalektisch

heißt e. Vers mit überzähliger Silbe im letzten Fuß, bes. die des steigenden Metrum (Anapäst, Jambus).

Identischer Reim

reimt dasselbe Wort.

Indirekte Rede

im Ggs. zur direkten Rede, die von e. übergeordneten Verb abhängige Wiedergabe von Worten anderer in der 3. Person und im Konjunktiv.

In medias res

ein dichterisches Verfahren, das sich nicht lange bei einführenden Worten und einstimmenden Schilderungen aufhält, sondern den Leser gleich mitten in die Handlung führt und während deren Ablauf die Vorgeschichte nachholt.

Inreim

Form des Reims durch Gleichlaut 1. Wortes im Versinneren mit dem Endwort der Zeile.

Integration

Verbindung zahlreicher Einzelzüge inhaltlicher, gedanklicher oder sprachkünstlerischer Art zu e. geschlossenen, durchkomponierten und sinnvollen Ganzen von einheitlicher Stimmungslage.

Ironie

die komische Vernichtung einer berechtigt oder unberechtigt Anerkennung Fordernden, Erhabenen durch Spott, Enthüllung der Hinfälligkeit, Lächerlichmachung unter dem Schein der Ernsthaftigkeit, der Billigung oder gar des Lobes, die in Wirklichkeit das Gegenteil des Gesagter meint (Litotes) und sich zum Spott der gegnerischen Wertmaßstäbe bedient, doch dem intelligenten Hörer oder Leser als solche erkennbar ist.

Katalektisch

heißt in antiker Metrik e. Verszeile, deren letztem Fuß eine oder mehrere Silben fehlen, so dass er nur aus einer Silbe oder zwei besteht.

Kontrast

auffallender Gegensatz nebeneinandergelegter Elemente, so K.-Figuren im Drama als Verkörperung extrem gegensätzlicher Ideen, die entweder den Konflikt herbeiführen oder der Hauptfigur stärkeres Profil geben, indem der Ggs. e. Eindruck verstärkt.

Körner

Verszeilen, deren Reim nicht in der eigenen Strophe, sondern erst in der (den) folgenden seine Entsprechung hat und die einzelnen Strophen und deren Aussagen miteinander durch Reimklang umschlingt.

Kreuzreim

paarweise gekreuzte Reimstellung, so dass der 1. Vers mit dem 3., der 2. mit dem 4. usw. reimt: Reimfolge ababcdcd.

Litotes

rhetorische Figur: verstärkte Hervorhebung e. Begriffs durch Verneinung des Gegenteils; uneigentliche Sprechweise.

Männlicher Reim

der einsilbige, auf e. Hebung endigende Reim.

Metanymie

rhet. Figur: Ersetzung des eigentlichen Worts durch ein anderes, das zu ihm in realer Beziehung steht, also in einem zeitlichen, räumlichen, ursächlichen, logischen oder erfahrungsgemäßen Zusammenhang im Gegensatz zum bloßen Vergleich bei der Metapher.
1. Erzeuger für Erzeugnis: im Schiller lesen
2. Erzeugnis für Erzeuger: Wunden abschließen
3. Rohstoff für Fertigware: Eisen = Dolch
4. Besitzer für Besitztum: unser Nachbar ist abgebrannt
5. Kollektivabstraktum für Konkretum in Mz.: Jugend = junge Leute
6. Gefäß, Ort, Land, Zeit für Inhalt bzw. Person: Ein Glas trinken, London meldet..., England fürchtet..., Das 18. Jh. glaubte..., Köpfchen = Verstand, Himmel = Gott
7. Sinnbild für Abstraktum: Lorbeer = Ruhm

Metapher

die dichterischste der rhetorischen Figuren, uneigentliche Redeform: bildlicher Ausdruck für e. Gegenstand (oft zur Verlebendigung und Veranschaulichung von abstrakten Begriffen), e. Eigenschaft oder e. Geschehen.

Metrik

Lehre von den Versmaßen, Strophen, im weitesten Sinne auch Reim und Rhythmus als Gliederung der dichterischen Sprache.

Metrum

1. Versmaß im Unterschied zum Rhythmus, das metrische Gesetz des Versaufbaus als Gliederung der Dichtersprache durch Akzent oder Quantität; 2. Versfuß als kleinste rhythmische Einheit, durch dessen Wiederholung eine >messbare< Reihe entsteht, die nach der Zahl der Füße benannt wird.

Mittelreim

Klangspiel: Reimbindung von Worten im Inneren von zwei aufeinanderfolgenden Versen. die jedoch inmitten e. rhythmischer Reihe stehen und nicht an deren Ende, sonst Zäsurreim.

Mittenreim

Reimbindung von Versende mit dem Inneren des vorhergehenden oder folgenden Verses.

Offene Formen

im Ggs. zu geschlossenen sind die lit. Formen von weniger kunstvollem, architektonischem Bau wie Brief, Dialog, Diatribe, Essay.

Onegin-Strophe

14zeilige Strophe aus vierfüßigen Jamben: 9silbig-weibliche oder 8silbig-männliche Verse in festgelegter Reihenfolge:w/m w/m w/w m/m w/m m/w m/m und dem vorbestimmten Reimschema ababccddeffegg.

Opposition

1. = Antithese, 2. Verbindung von Litotes mit der entsprechenden vor- oder nachgestellten positiven Aussage, also Negation e. Eigenschaft und Affirmation des Gegenteils.

Oxymoron

als rhetorische oder Stilfigur die sinnreich pointierte Verbindung zweier einander scheinbar widersprechender, sich gegenseitig ausschließender Begriffe zu e. Einheit in addierender Zusammensetzung oder Contradictio in adjecto.

Paarreim

Reimbindung von jeweils zwei aufeinanderfolgenden Versen: aa bb cc usw..

Parabel

lehrhafte Erzählung, die e. allg. sittliche Wahrheit oder Erkenntnis durch e. analogen Vergleich, also Analogieschluss, aus e. anderen Vorstellungsbereich erhellt, der nicht ein in allen Einzelheiten unmittelbar übereinstimmendes Beispiel gibt wie die Fabel, sondern nur in einem Vergleichspunkt mit dem Objekt übereinstimmt, und die im Ggs. zum Gleichnis keine direkte Verknüpfung (so: wie) mit dem zu erläuternden Objekt enthält, wenngleich sie das Beziehungsfeld erkennen lässt, sonder vom Gegenstand abgelöst zur selbständigen Erzählung wird.

Paralipse

rhetorische Figur, besteht darin, dass der Redner etwas als zu gering, unwichtig oder selbstverständlich zu übergehen vorgibt, um zum wichtigeren Gegenstand übergehen zu wollen, jedoch die Sache dennoch erwähnt und dadurch teils herausgeht und die Aufmerksamkeit auf sie lenkt, teils auf die größere Wichtigkeit des Folgenden aufmerksam macht.

Paraphrase

erweiternde und erläuternde Umschreibung e. Wortes, Satzes oder e. Schriftwerks.

Peripetie

Glückswechsel, unerwartet plötzliche Wendung im Schicksal des epischen oder bes. dramatischen Helden; entscheidender Umschwung, welcher die durch die Exposition gegründete Handlung die Wendung zum Guten (Komödie) oder Schlimmen (Tragödie) gibt.

Personifikation

häufige rhetorische Figur, Art der Metapher: Vermenschlichung, Einführung abstrakter Begriffe, lebloser Dinge, in antiker Rhetorik auch Toter oder Abwesender, in menschlich beseelter Darstellung als sprechende und handelnde Personen zur Belebung der Rede oder Erzählung.

Perspektive

1. beim Theater die Erzeugung des Eindrucks räumlicher Tiefe durch nach hinten zu sich verjüngend gemalte, in Größenverhältnissen abgestufte Kulissen; 2. in der Lit. der Standpunkt, von dem aus e. Geschehen aufgefasst wird, das Verhältnis des Erzählers, der nicht mit dem Autor identisch ist, zu den Vorgängen im Werk.

Plot

die Handlung oder Fabel in Roman, Novelle usw., bes. der Konflikt im Drama und zumal dessen kausal streng verknüpfte und rational überzeugende Form.

Polysyndeton

rhetor. Figur im Ggs. zum Asyndeton: e. durch ständige, ungewöhnlich häufige Wiederholung derselben Konjunktion verbundene, koordinierte Wort- oder Satzreihe.

Prolog

im Ggs. zum Epilog im Drama die von e. eigens bestimmten Person (>Prologus<), auch Götter- und Phantasieerscheinungen), einem der handelnden Schauspieler des Stückes oder dem Dichter selbst gesprochenen Einleitungsworte (-verse) an die Zuschauer.

Protasis

allg. Einleitung, des.: 1. Vordersatz der zweigliedrigen (stilistischen oder metrischen) Periode, vor dem Hauptsatz stehender Bedingungssatz im Ggs. zur Apodosis; 2. die Exposition enthaltender erster Teil im dreiaktigen Drama.

Reflexion

das auf die Beobachtung eigener seelischer Vorgänge zurückgewandte Denken; im weiteren Sinne jedes prüfende und vergleichende Nachdenken und dessen Ergebnis.

Reimhäufung oder Haufenreim

die mehr als zweimalige Wiederholung des gleichen Reims durch Gleichklang vieler aufeinanderfolgender Versausgänge oder durch Unterstützung des Endreims durch gleichen Binnenreim.

Reine Reime

zeigen genaueste Übereinstimmung in Vokalen und Konsonanten.

Requisiten

alle zur Bühnenaufführung e. Schauspiels erforderliche Ausstattungsgegenstände mit Ausnahme von Kostümen und Dekoration (Kullisen), z. B. Briefe, Gläser usw.

Rezeption

die Aufnahme und Wirkungsgeschichte e. Testes, e. Autors oder e. lit. Strömung beim einzelnen Leser, bei sozial, histor. oder altersmäßig bestimmten Lesergruppen, der Leserschaft allg. im Inland und im Ausland und deren Varianten und Variable.

Rhythmus

in der Dichtung im Unterschied vom vorgegebenen und gesetzmäßig gleichbleibenden metrischen Schema die ständig wechselnde, für jeden Vers individuell gestaltete und beseelte innere Spannungs- und Schwingungsform, zu der das Metrum nur den äußern Rahmen, den Kanevas, bildet, der ihn trägt und von ihm überlagert erst lebendig wird.

Rückblende

Bz. für eine Zeitgestaltung in Epik und Dramatik, die von einer als Ausgangsposition genommenen Gegenwart her zurück in eine davor liegende Vergangenheit überwechselt, um Erinnerungen, Assoziationen usw. in das Hauptgeschehen einzubeziehen.

Rührender Reim

Gleichklang auch der Konsonanten vor der betonten Reimsilbe bei zwei bedeutungsverschiedenen Wörtern im Endreim.

Schlagreim

verbindet zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Worte oder Silben innerhalb derselben Zeile.

Schweifreim

Form des Reims, bei der innerhalb e. Gruppe von sechs Versen der 1. und 2 sowie 4. und 5. paarweise reimen, der 3. dagegen mit dem 6. reimt. Reimfolge aa b cc b, auch Zwischenreim genannt.

Sonett

Gedichtform von strengem Aufbau, gestehen aus 14 meist elfsilbigen Zeilen, die in zwei deutlich abgesetzte Teile zerfallen: der erste (>Aufgesang<) besteht aus zwei vierzeiligen >Quartetten< (Quartinen, Quartrains) mit nur zwei Reimen in umschlingender Stellung: abba abba, der zweite (>Abgesang<) aus zwei dreizeiligen >Terzetten< oder >Terzinen<, die urspr. ebenfalls nur zwei Reime in der Stellung cdc dcd zulassen, doch schon früh vielfach variieren.

Stilisierung

die Unterstellung von Naturformen unter Weglassung des Zufällig-Nebensächlichen unter e. vorgeprägte und streng in ihrer Eigenart bestimmte künstlerische Form häufig ornamentaler Art (Jugendstil), sodann die Adaptierung eines Textensentwurfs an e. dem Anlass entsprechendes vorgegebenes Stilmuster.

Syllabotonischer Versbau

das metrische System als regelmäßiger Wechsel betonter und unbetonter Silben.

Symbol

in der Dichtung e. sinnlich gegebenes und fassbares, bildkräftiges Zeichen, das über sich selbst als Offenbarung veranschaulichend und verdeutlichen auf e. höheren, abstrakten Bereich verweist.

Synästhesie

Doppelempfinden oder sekundäres Empfinden, Verschmelzung verschiedenartiger Empfindungen, indem die Reizung des einen Sinnesorgans nicht nur die ihm eigen Empfindung, sonder auch e. Erregung und Mitempfindung e. anderen Sinnesgebietes hervorruft.

Tektonik

geschlossener, symmetrischer Aufbau e. Kunstwerks als Zeichen e. strengen Formwillens im Ggs. zur atektonischen, offenen Form.

Tertium comparationis

der Punkt, in dem zwei verglichene Gegenstände, etwa Metapher und Gemeintes vergleichbar sind.

Tonischer Vers

die Versform mit einer festen Anzahl von Hebungen je Zeile und freier Zahl der Sendungen.

Tragische Ironie

trägt im Drama zur Steigerung der tragischen Wirkung bei, indem der Zuschauer bereits das Verhängnis um den noch in völliger Sicherheit sich wiegenden, ahnungslosen Helden schweben sieht.

Umarmender oder umschließender Reim

Reimverbindung, bei der e. Reimpaar von e. anderen umschlossen wird: abba cddc.

Unreiner Reim

Reimverbindung mit mangelnder, nur angenäherter Gleichheit der Konsonanten und bes. der Vokale in den reimenden Silben.

Vergleich

Stilmittel zur Erhöhung der Anschaulichkeit und Bedeutungsverdichtung e. gemeinsamen Grundgehalts der verknüpften Bereiche, die sich im tertium comparationis begegnen müssen.

Verschänkter Reim

die Reimstellung dreier voneinander durchkreuzter Reime: abc abc oder abc bac.

Weiblicher Reim

zweisilbiger Reim mit dem Akzent auf der vorletzten Silbe, während die letzte neben- oder unbetont ist.

Zäsur

e. mehr syntaktischer als rhythmischer Einschnitt innerhalb e. längeren, meist mehr als vierhebigen Versgefüges durch e. Wort- oder Sinn-Ende, das die ganze Verszeile in zwei oder mehr Teile (Kola) gliedert.

Zäsurreim

Reimbindung des durch Zäsur entstandenen 1. Versabschnitts (der nicht Versmitte zu sein braucht) mit dem Versende.

 

 

Quellen:

Wilpert, Gero von: Sachwörterbuch der Literatur. Kröner Stuttgart 71989.
Schweickle, Günther und Irmgard: Metzler Literaturlexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart  71990.

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