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Begriffe

1. Leibeigenschaft - Крепостничество
2. Zins - Оброк
3. Fronarbeit - Барщина
4. St-Georgs Tag - Юрьев День
5. Rangplatzordnung - Местничество
6. Rangtabelle - табель о рангах
7. Bauerngemeinde - мир, община, артель
8. Knechte - Холопы
9. Тяглые люди
10. Бобыли
11. Bojaren - Бояре
12. Adlige - Дворяне
13. Gutsbesitzer - Помещики
14. Kleinbürgertum - Мещанство
15. Nichtadlige Intellektuelle - Разночинцы
16. Intelligenzia - интелигенция
17. Entkulakisierung - Раскулачивание
18. Gulag (Hauptverwaltung der Lager) - ГУЛаг (Главное управление лагерей)
19. Opričnina - Опричнина
20. Dritte Abteilung -Третье отделение
21. Борьба с космополитизмом
22. Жданов
23. Tauwetter – Оттепель
24. Friedliche Koexistenz - Мирное сосущуствование
25. Stagnation - Застой
26. Perestrojka (Umbau, Umgestaltung) - Перестройка и гласность (Transparenz)

1. Leibeigenschaft - Крепостничество

Scholleabhängigkeit der „schwarzen“ (lasten- und steuerpflichtige) Bauern und landlosen „бобыли“ vom Grundbesitzer auf Wunsch des Adels, die Bauern an den Grundbesitz (z.B. Dienstgut) zu binden; Freie Verfügung des Gutsbesitzers über die Bauern Viele Bauern flüchteten in den Süden zu Kosaken.
Dienstpflichten der Bauern: Fronarbeit (барщина): Feldbearbeitung (vor allem in südlichen Gebieten); Zins (оброк): Naturalien, Teile der Ernte (vor allem in nördlichen Gebieten)
      - 1497: Abzugsrecht beschränkt auf eine Woche vor und nach dem Georgstag in Herbst (26.11 – Юрьев День)
      - 1581: Verbotsjahre (Заповедные лета) – Fortgehen der Bauer nicht erlaubt
      - 1646: vollständige Leibeigenschaft, kein Abzugsrecht mehr
      - 1680: Bauern und Knechte mit eigener Landwirtschaft gleichgestellt (z.B. beim Verkauf)
      - 1722: Bauern und Knechte gleichgestellt
      - 1861: Abschaffung der Leibeigenschaft unter Alexander II. (Niederlage im Krimkrieg 1855/56; Freilassung der Produktionskräfte entsprechen den Ansprüchen der Industrie); die Bindung an die Scholle und an die Dorfgemeinde bleibt bestehen
      - 1881: völlige Befreiung von Dienstpflichten
      - 1917: vollständige Freilassung der Bauern von der Scholle und der Dorfgemeinde (мир, община)

2. Zins - Оброк

Zins in Form von Naturalien, Teilen von Ernten das die Bauern an ihre Gutsbesitzer (vor allem reichere Grundherren) oder in magereren Gebietsböden des Nordens zahlen mussten.

3. Fronarbeit - Барщина

Unbezahlte Arbeit von Leibeigenen, die ihren Lebensunterhalt und ihre steuerlichen Lasten aus der Arbeit auf dem ihnen persönlich zugeteilten Grund und Boden bestritten.

4. St-Georgs Tag - Юрьев День

1497 bis 1581: der letzte Erntetag (26.11 – Юрьев День), an dem die Bauern ihren Besitzer frei wechseln konnten. Abzugsrecht beschränkt auf eine Woche vor und nach dem Georgstag.

5. Rangplatzordnung – Местничество

Rangsystem (Ende des 15. Jh.), das am Hof des Ivan III entwickelt wurde.
Die Regelung der Beziehungen des hohen Adels nach dem Prinzip des Abstammung, die wegen der Neuzugänge (Ende 15. Jh.: Sammlung des russischen Landes) durch wachsende Rivalität gekennzeichnet, die dem auf Dienst und Herrschaft ausgerichteten Wesen des Adels entsprach (Bojarenrang war nicht direkt erblich, sondern jeweils erst nach best. Dienstzeit verliehen).
Differenzierung des Systems der Ränge (чины) innerhalb des gesammten Adels:
            o Bojarenränge: Bojaren, Bojaren minderen Ranges (okol’nicie), Duma-Adlige (dumnye dvorjan’e), Duma-Sekretäre,
            o Moskauer Ränge: Truchsesse (стольники), Haushofmeister (стряпчие), Moskauer Adlige (московские дворяне), Residenzadlige (жильцы)
            o Provinzränge oder Dienstleute im engeren Sinne (служилые люди): ausgewählte Adlige (выборные дворяне), Provinzadlige (городовые дворяне) Bojarenkinder (боярские дети)
Jeder der Ränge hatte seine eigenen Privilegien
Rangplatzordnung wurde 1682 abgeschafft. Rangtabelle (nach dem Leistungsprinzip) löst die Rangplatzordnung ab.

6. Rangtabelle – табель о рангах

Ziel: Förderung der Adligen nach dem Leistungsprinzip nicht nach der Herkunft; die Möglichkeit der nichtprivilegierten Schichten den Adelstitel zu erhalten.
Drei Arten: Militär-, Zivil- und Hofränge (jeweils 14)
      - 1714: Erlass über die Einerbfolge: Verweisung der nichterbenden Söhne der Gutsbesitzer auf den Staatsdienst
      - 1722: unter Peter dem Großen eingeführt, löst die Rangplatzordnung ab: Rangvergabe vor allem nach dem Leistungsprinzip (rechtliche Angleichung des Dienstgutes an das Erbgut); der gesamte Adel ® шляхетство, später ®дворянство
      - Alle militärischen Ränge von der 14. (untersten), alle zivilen Ränge von der 8. Klasse an vermittelten den Zugang in den erblichen Adel, die 14.-9. Klasse vermittelte den Zivilbediensteten den persönlichen Adel.
      - 1790 und 1799 – automatische Beförderung nach meist drei Jahren (выслуга = Abdienen)
      - Einführung der Titel Baron, Graf, Verleihung des Titels „Fürst“
      - 1856: für Zivilisten ab dem 4. Rang – erblich, für die Militärs – ab dem 6.; der persönliche Adel ab dem 9. Rang

7. Bauerngemeinde – мир, община, артель

      - Seit dem 13. Jh. bis 1917 – Gesamtheit der Zugehörigen einer bäuerlichen Gemeinde (früher – волость)
      - Zuständig für die gemeinsamen Angelegenheiten der Bauern
      - Verantwortlich den Bojaren, Großfürsten und Klöstern hinsichtlich der Steuer- und Dienstleistung
      - Gerechte Verteilung der Steuerlast innerhalb der Bauerngemeinde (der Boden wurden nicht vererbt, sondern nach dem Prinzip der Familiengröße umverteilt (Dagegen vererbten die Wolgadeutsche ihre Grundbesitz)
Мир wurde nach der administrativ-rechtlichen Betrachtung gleichgesetzt mit dem Begriff община.

8. Knechte - Холопы

      - 10 – 18 Jh.: vom Grundbesitzer abhängige Menschen in Russland.
      - In ihrer rechtlichen Lage glichen sie den Sklaven
      - Der Gutsherr hatte über sie eine unbeschränkte Macht, musste aber auch die Verantwortung für die Handlungen seiner Untertanen mittragen.
      - Zum Knecht konnte man werden durch:
            o die Gefangenschaft
            o den Selbstverkauf
            o die Schulden
            o die Verbrechen
            o die Heirat einer Leibeigenen
Aufgaben/Funktion:
      - Feldbearbeitung
      - Diener bei Hof
      - Handwerkertätigkeiten
      - Administrative Tätigkeiten
Ab Ende des 17. Jh. bekamen einige Knechte ihr Grundstück und waren steuerpflichtig.
1722 wurden дворовые холопы den Leibeigenen gleichgestellt

9. Тяглые люди

Steuerzahlende Bürger

10. Бобыли

      - Im Russischen Staat des 15 bis 18 Jh.: vor allem die verarmten Adligen, die keine staatlichen Steuern (тягла) gezahlt haben und später in die feudale Abhängigkeit geraten
      - Seit der 2. Hälfte des 15. Jh. Tätigkeiten: Landwirtschaft, Handwerk, Handel, arbeiteten auf Einstellung.
      - Sie müssen ihren Herren Zinsen zahlen (бобыльщина)
      - Mit der Zeit näherte sich ihr Stand dem der Bauern
      - Ab 1631-32: verpflichtet zur Zahlung der Steuern
      - 1724:
            o Angleichung mit dem Bauernstand
            o Einführung der Kopfsteuer (подушная дать)
      - Im Volksmund: verarmte, alleinstehende Menschen (vor allem Männer)

11. Bojaren – Бояре

      - Die Adligen im Kiever Reich
      - 10. – 17 Jh.: zusammen mit den Fürsten, bilden sie die höchste Schicht der feudalen Gesellschaft im Russischen Staat.
      - In der Rangordnung waren sie die Nächststehenden nach dem Großfürsten in der Staatsordnung.
      - Waffendienstpflichtig
      - Ab dem 12. Jh. wächst ihr politischer Einfluss und Streben nach der Selbstständigkeit.
      - Recht an der Teilnahme in der Sitzungen der Bojarenduma
      - Unter der Herrschaft von Iwan IV. wurde die Bojarenschicht entmachtet und durch die опричнина nach den Morden und Massenaussiedlungen stark dezimiert.

12. Adlige - Дворяне

      - Die Adelsschicht im breiteren Sinne gab es im Kiever Reich als die Gefolgschaft des Fürsten: Vielzahl verschiedener Gruppen (Hoch- und Kleinadel)
            o kein Feudalismus (als ausgebildetes System), dafür aber ein Treueverhältnis zwischen dem Fürsten und den Bojaren
            o keine Stände im westlichen Sinne
            o Die Beziehungen untereinander werden durch die Rangplatzordnung geregelt
      - 15. Jh.: „Hofleute“ (дворяне): mehr und mehr zum Kriegsdienst herangezogen (fürstliches Reiterheer) und erhielten Dienstgüter (поместье) ® Bildung einer neuen Schicht der Dienstgutbesitzer (помещики)
      - Eingliederung der опричники (persönliche Leibgarde von Iwan dem Schrecklichen) in den übrigen Reich 1572, nachdem sie 1571 die Eroberung Moskaus durch die Krimtataren nicht hatten verhindern können.
      - Als rechtliche soziale Schicht erst seit dem 18. Jh. anerkannt
      - Die Adelstitulierung wurde nach der Oktoberrevolution abgeschafft
      - bis 17. Jh. Während der Smuta: Diskreditierung der übriggebliebenen Geschlechter: 23 alte Familien sind geblieben (davon 18 von Rjurik hergeleitet) ® Hofadel mit Emporkömlingen aufgefüllt ® Differenzierung des Systems der Ränge (чины) innerhalb des gesammten Adels:
            o Bojarenränge: Bojaren, Bojaren minderen Ranges (окольничие), Duma-Adlige (думные дворяне), Duma-Sekretäre,
            o Moskauer Ränge: Truchsesse (стольники), Haushofmeister (стряпчие), Moskauer Adlige (московские дворяне), Residenzadlige (жильцы)
            o Provinzränge oder Dienstleute im engeren Sinne (служилые люди): ausgewählte Adlige (выборные дворяне), Provinzadlige (городовые двор
яне) Bojarenkinder (боярские дети)       - Jeder der Ränge hatte seine eigenen Privilegien
      - 17. Jh. (Zeit Peter des Großen) rechtliche Angleichung des Dienstgutes an das Erbgut
            o Rangtabelle (der gesamte Adel ® шляхетство, später ® дворянство)
            o Einführung der Titel Baron, Graf, Verleihung des Titels „Fürst“
      - 1730: Versuch des Adels einer Beschränkung der Autokratie (Abschaffung der Dienstpflicht)
      - Nach 1736: Beginn des „Goldenen Zeitalters“ des russischen Adels
      - Es bildeten sich mehrere Gruppen heraus:
            o Politisch tätigen (Dekabristen, später: Intelligenzija)
            o Gutsbesitzer (лишние люди)
            o (Mehrheit) Dienstpflichtige (auch aus freiwilligen Gründen)
      - 1861: Bauernbefreiung (Große Reformen) brachte dem Adel nur kurzfristig einen gewissen Wohlstand (Friedensrichter, Mitarbeit in Zemstvo usw.) wirtschaftlich verloren sie jedoch dabei den Rückhalt.
      - 1885: Gutbesitz tritt immer mehr in Vordergrund
      - 1917 (10.11; Lenin):Dekret „Über die Abschaffung der Stände und bürgerlichen Ränge“

13. Gutsbesitzer - Помещики

      - = Besitzer von Dienstgütern (поместья = Besitz, der als Entgeld für bestimmte militärische Dienstleistungen vergeben wurde)       - Ursprünglich waren sie die Gefolgsleute der Großfürsten (siehe Adel)       - Die Grundbesitzer investierten in ihr Land kein Kapital: Es wurde mit dem Viehbestand und landwirtschaftlichen Ausrüstung der Leibeigenen bearbeitet was auf Dauer unwirtschaftlich war.

14. Kleinbürgertum – Мещанство

Vor der Revolution: verschiedene soziale Schichten in einer Stadt (Handwerker, Händler, Hausbesitzer, -vermieter)
14 – 17 Jh.: Kleinbürger
      - waren Steuerpflichtig, Heerdienstpflichtig, eingeschränkt in ihren Ausreisemöglichkeiten.
      - Besitz und Standwaren vererbbar.
      - Der reich gewordene Kleinbürger wurde zum Kaufmann und umgekehrt. Auch die Bauern, die von der Leibeigenschaft (крепостное право) befreit waren, sind zu Kleinbürgern geworden.
Im übertragenen Sinne: Kleinbürger – Spießbürger: ein egoistischer Mensch; Individualist; Mensch mit einem beschränkten Horizont.

15. Nichtadlige Intellektuelle – Разночинцы

      - 18 – 19 Jh.: Menschen aus verschiedenen Schichten, die nicht unbedingt adlig sind. (ehemals Geistliche, Kaufmänner, Kleinbürger, Bauern, Beamte, verarmte Adlige mit Ausbildung usw.)
      - Seit 1861, also nach Abschaffung der Leibeigenschaft ist es die grundlegende soziale Schicht.
      - Viele разночинцы nahmen an revolutionären Bewegungen (Volkswille – народная воля) teil.

16. Intelligenzia – интелигенция

      - Zum Begriff: Wurde zum ersten Mal vom Schriftsteller Boborykin verwendet.
      - Seit 1860: auch in anderen Sprachen eingeführt/verwendet.
      - Ursprüngl.: die „geistig Tätigen“ im Gegensatz zu körperlich Tätigen
      - Vorrevolution: Lehrer, Mathematiker, Ärzte, Chronisten, später: Professoren, Künstler, Schauspieler usw.
      - Im 19 Jh.: Anzahl der adligen intellektuellen Intelligenzija sinkt. Umso mehr wächst die intellektuelle Bürgerschicht.
      - In der Zeit des russ. Imperialismus (bis 1917) hat sich die Anzahl der Intelligenzija verdoppelt, jedoch ungleichmäßig verteilt auf verschiedene Regionen des Landes (z.B. vgl: Russland und Asien)

17. Entkulakisierung – Раскулачивание

Kulaken: die Schicht der Großbauern, die sich vor allem in der Zeit der NÖP vergrößerte.
                  § 1928: Einführung der Planwirtschaft
                  § Ende 1929: Gezwungene Durchsetzung:
            o Bildung der Kolchosen (год великого перелома – nach Stalin)
            o Entkulakisierung: Liquidation des Gutsbesitzes der Kulaken und Abschleppung der Familien in die Arbeitslager)
Ziele:
1. Versorgung der kollektiver Wirtschaft mit materiellen Grundlagen
2. Modernisierung und Freisetzung der billigen Arbeiterkräfte.
Der Staat hat keine genaue Definition gegeben, wen man zu Kulaken zähle;
Im Allgemeinen: Arbeitskräfte (aus)nutzende Gutsbesitzer, Inhaber eines guten Hauses, Besitzer von mehr als zwei Kühen bzw. Pferden usw.
Jedes Gebiet bekam eine bestimmte zu erfüllende Norm an Kollektivierung und Entkulakisierung (5-7% aller Bauernhöfe). Meist wurde diese Norm über 25% erfüllt.
Podkulačniki: Verarmte, Bettler, unverwünschte Personen usw.

18. Gulag (Hauptverwaltung der Lager) - ГУЛаг (Главное управление лагерей)

ČK (Tscheka) führt 1918 Lager für Gegner der Revolution ein (alte Klöster, frühere Gefängnisse)
1956: aufgelöst (Zeit Chruščevs)
Gründe für Verhaftungen:
            o Antisowjetische, religiöse, nationale Propaganda, Literatur
            o Teilnahe an Demonstrationen
Ziele: Gefangene sollen durch Arbeit eine neue Identität finden
      - später: Unterteilung in Haupts- und Unterlager (erste „Belegschaft: Kulaken-Familien, Christen → Arbeitskräfteeinsatz)
      - Förderung der Industrialisierung durch „billige Arbeitskräfte“; Gebaut vor allem da, wo das Klima freiwillige Ansiedlung erschwert.
      - Ab 1934: auch für überzeugte Kommunisten ( nach „Säuberungen der Parteien“)
      - Später: Generäle und die ersten Kommandanten und Wachleute der Lager selbst.
      - Vor dem Kriegsbeginn: ca. 4 Mio. Menschen in Lagern und Gefängnissen (3% der Gesamtbevölkerung der Union)
      - Nach dem Kriegsende: Gesamtzahl 4,3 – 12 Mio. Menschen
      - 1948: Lager mit einem speziellen Regime: für Verurteilte wegen „antisowjetischer Tätigkeit“ und kontrarevolutionärer Akte
      - auch die Arbeiter, die den Plan (z.B. in der Landwirtschaft) nicht erfüllten, wurden auch in die Lager gebracht.
      - Repressionen: (1948 – 1953) 2000 Parteifunktionäre, Führer oder Parteiorganisation verhaftet, davon 200 erschossen.
      - Es wurde auch während des Krieges populär gewordenes Militär verhaftet

19. Opričnina - Опричнина

Vom Ivan IV. unmittelbar unter die Verwaltung des Zaren gestellte Landesteile:
      - Bezeichnung für Ländereien im Gebiet von Moskau, die Zar Ivan IV. 1565 den rechtmäßigen Besitzern entzog (durch Massenaussiedlungen und Morde) und den Angehörigen seiner Leibgarde (Opričniki ~> Gegengewicht zu Bojaren) übertrug.
      - die Bezeichnung O. wird auch zur Kennzeichnung der inneren Politik Ivans IV verwendet.
      - 1572 wurde die O. wieder dem übrigen Reich eingegliedert, nachdem die Opričniki 1571 die Eroberung Moskaus durch die Krimtataren nicht hatten verhindern können.

20 „Dritte Abteilung“ -Третье отделение

      - Vorläuferin (1810- 1819): „Besondere Kanzlei“ für staatspolitische Aufgaben im Polizeiministerium.
      - 1826 Einrichtung der „Dritten Abteilung“ als Geheimer Staatspolizei.
      - Eigene Kanzlei seiner Kaiserlichen Majestät = третье отделение собственного императорского величества канцелярии, so lautete der Name der unter Nikolaus I. eingerichteten Staatspolizei (auf Anregung von Benkendorf). Diese Dritte Abteilung hatte „alle Vorkommnisse ohne Ausnahme“ zu sammeln. Damit wurde sie aufgrund ihrer besonderen Zuordnung zur zentralen Überwachungs- und Kontrollinstanz nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch des gesamten Staatsapparates.
      - Gendarmenkorps waren mit der D. A. verkoppelt. (Der Hauptchef der D.A. (Benkendorf) war Chef der Gendarmen und zugleich Stabschef)
Aufgaben:
      - Sicherung der Ruhe und der Ordnung
      - Überwachung der Bauernbewegung
      - Überwachung der gesellschaftlichen und revolutionären Bewegungen
      - Kontrolle der öffentlichen Meinung
      - Politische Überwachung
      - Verbannungen usw.

21. Борьба с космополитизмом

siehe Sdanovscina Nr. 48.
      - Kosmopolitismus ruft zur Vereinigung der Nation auf und Ablehnung der nationalen Tradition und Kultur und Patriotismus usw.
      - Ideologischer Kampf gegen die Intellektuellen, die die westliche Lebensweise positiv schilderten.
      - Ausgelöst nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.
      - Ende der 40er bis Anfang der 50er soll die Literatur volksnah und optimistisch sein.
      - Antijüdische Stimmung
      - Hetzkampagne gegen Jevtušenko und Achmatova

22. Жданов

      - 1944: führt eine (große) Bildungsreform durch
      - ab 1947:
            o Sekretär der ZK für Agitation und Propaganda
            o Schüchterte die Intelligenzija ein, indem er ihr „Kosmopolitismus“ vorwarf (z.B. Anna Achmatova) – Literatur soll „volksnah, optimistisch usw. sein
      - 1948: wurde Lyssenko (Лысенко) gegen Zhdanows Widerstand in die Akademie oder Wissenschaften gewählt → Zhdanow verschwand von der politischen Bühne
Ждановщина:
      - Ära 40er: Kampf gegen Internationalismus und Objektivismus, Kosmopolitismus,
      - Für Sowjetpatriotismus, Selbstglorifizierung und Parteilichkeit

23. Tauwetter – Оттепель

ab dem XX. Parteitag (1956) ca. bis Kubakrise (1962)
Politik Chruscevs:
      - Entstalinisierungsprozess (Geheimrede von 25. Februar 1956)
      - Freilassung des größeren Teils der politischen Gefangenen
      - Neuordnung des Justizwesens (1957 angekündigt)
      - Erschließung von Neu- und Brachlands in Kasachstan und Sibirien (целина)
      - Verstärkter Anbau von Mais („Königin der Feldpflanzen“)
Lockerung der bisherigen Fixierung auf die dogmatischen Prinzipien der KPdSU → „Tauwetter-Periode“ (nach dem Titel eines Romans von Ilja Ehrenburg).
      - Neue Bewegungen in Kunst, Literatur, Musik, Theater und Film
      - Kurzfristig: sogar Meinungsvielfalt (z.B. 2. Schriftstellerkongress 1954)
      - Entlassung und Rehabilitierung der politischen Häftlinge
      - 14. Oktober 1964: Sturz Chruščevs

24. Friedliche Koexistenz – Мирное сосущуствование

      - Friedliches Nebeneinander zweier politischer Systeme (sozialistisches und kapitalistisches Systeme)
      - Nach Stalins Tod: Wunsch nach Sicherung der außenpolitischen Interessen zwischen Ost und West. Daher die zurückhaltende und kooperative Haltung der Sowjetunion.
      - Politik Chruščevs;
Kennzeichnend dafür:
      - „kompromißlerische“ Deutschlandpolitik (in der DDR)
      - Staatsvertrag mit Österreich (1955)
      - Aussöhnung mit Tito (Jugoslawien)
      - Akzeptanz der Rückkehr Ostmitteleuropas in das kapitalistisch geprägte Gesamteuropa
      - (vorübergehender) Verzicht auf die Weltrevolutionsgedanken
Die außenpolitische Zurückhaltung wurde in dem Moment aufgegeben, als man in Moskau angestrebte Gleichgewicht mit der westlichen Vormacht, den Vereinigten Staaten von Amerika, Mitte der 50er Jahre für erricht hielt.
Der Kalte Krieg, später der Berliner Mauerbau (1961), um die Flüchtlingsströme aus Ost-Berlin zu stoppen, und die Kubakrise (Oktober 1962) zeichneten deutliche Rückwendung.
Erst ab Ende 1962 – 63 und bis zu den Krieg in Afghanistan 1979 konnte man eine Entspannung erkennen. (Installation einer Direktverbindung (das „rote Telephon“) , Verzicht auf gegenseitige Propaganda usw.)

25. Stagnation - Застой

Konservierung des politischen Regimes in der Regierungszeit Breznevs (1906 – 1982)
Chruscevs Sturz am 14. Oktober 1964.
Die ständig wechselnden Direktiven und „Reformen“ der Parteiführung hatten die Kader verunsichert und den Eindruck vermittelt, dass die KPdSU in die Orientierungslosigkeit steuerte.
Als Breznev die Macht übernahm setzte er das Ziel voraus, der in Partei und Gesellschaft verbreiteten Verunsicherung ein Ende zu bereiten und die Zügel fest in die Hand der KPdSU zu verankern. So wurde als erstes (29. März bis 8 April 1966, XXIII. Parteitag) das in Artikel 25 des Parteistatuts von 1961 verankerte Rotationsprinzip abgeschafft.
Weitere Folgen:
      - die Aufhebung der `62 beschlossenen Zweiteilung der KPdSU in einen industriellen und einen landwirtschaftlichen Zweig,
      - die Erschwerung des Eintritts in die Partei
      - Verschärfung der Parteikontrolle.
Damit wurde die Positionssicherung der Nomenklatura und die Wiederausrichtung des gesamten öffentlichen Lebens nach den Direktiven der Partei wieder erlangt.
Schließlich: Machtmonopol der KPdSU.

26. Perestrojka (Umbau, Umgestaltung) - Перестройка и гласность (Transparenz)

§ wurde in der KPdSU verschiedentlich als Schlagwort für organisatorische Veränderungen in der Parteistruktur benutzt. Sowohl die Reorganisation des Parteiaufbaus 1929/30 wie die von 1934 wurden zeitgenössisch als P. bezeichnet.
§ Nach dem Amtsantritt Gorbačevs als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU im März 1985 bekam der Begriff einen neuen Inhalt.
Ursachen:
      - Unproduktivität der sozialistischen Planwirtschaft
      - Mangelhafte Arbeitsmotivation
      - Hohe Militärausgaben
Ziele: Modernisierung und Veränderung des gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Systems (diese Politik wurde anfangs unter dem Schlagwort „uskorenie“ propagiert).
      - Mitte 1986 löste der Begriff die Losung „uskorenie“ ab.
Elemente des Perestrojka-Konzepts:
      - ein offener Umgang mit der Gesellschaft (Losung „Glasnost“)
      - ein Wandel des politischen Systems mit Wahlrechtsreform im Partei und Staat sowie
      - Stärkung der Rolle des Sowjets (demokratizacija)
      - Eine Reform des Wirtschaftssystems („радикальная реформа экономического механизма“) mit der Zielvorstellung der Schaffung eines sozialistischen Marktes
Gesetz über die Staatsunternehmen (1987):
      - Selbstplanung
      - Selbstfinanzierung
      - Selbstversorgung
      - Selbstverwaltung
Gesetz über die individuelle Arbeitsaktivität (1986) (Kooperative und die Genossenschaften):
      - Zulassung von Gemeinschaftsunternehmen
      - Zulassung privater Kleinbetriebe
Die politische Grundprinzipien standen vor dem wirtschaftlichen
Perestrojka bewegte sich auf den Halbmaßnahmen: man versuchte die sozialistische Planwirtschaft beibehalten unter der Einführung der marktwirtschaftlichen Verhältnisse, was an sich der Widerspruch war; staatlich fixierte Preise ermöglichten keine frei Entfaltung der Betriebe.
Als Folge versagten die Reformen unter Gorbatschow
      - dramatische Verschlechterung der Wirtschaftslage
      - Rückgang der Produktivität
      - Hyperinflation
      - Korruption
      - Kriminalisierung der Wirtschaftsführung
1990: Forderung von Jelzin zum Übergang zur Marktwirtschaft
Ein Teil der Führung und viele Wissenschaftler begriffen die Perestrojka als „soziale Revolution“- d.h.: als radikale Veränderung der sozioökonomischen Struktur (Wirtschaft und Gesellschaft)
Manche Parteiführer waren jedoch für die Modernisierung der Wirtschaft beim gleichbleibenden gesellschaftlichen und politischen System.
Die Wirtschaftskrise 1989 zeigte das solche Position nicht zukunftsfähig war.
Mitte 1990 versuchten die „konservativen“ Kräfte ihre Macht trotzdem zu halten (→ Putsch)
Гласность (Transparenz, Offenheit, Öffentlichkeit)
Zum ersten Mal von Herzen erwähnt
      - Freier Zugang zur Information
      - Offene Diskussion über die Probleme
      - Forderung der Kritik und Selbstkritik
      - Transparenz der Entscheidung in Wirtschaft und in Politik und die Beteiligung der Massen an ihnen
      - Lockerung der Zensur

Referate

1. Die Deutschen in Russland
2. Die mittelasiatischen Republiken: Russlands „Dritte Welt“
3. Politische Parteien in Russland (1905- 1917)
4. Gegenwärtige Parteienlandschaft
5. Demokratischer Zentralismus am Beispiel Tatarstans
6. Tatarstan
7. Justitzreform und Justizgesetzgebung
8. Verfassungen der UdSSR und die Verfassung der RF von 1993
9. Die sozialistische Planwirtschaft

1. Die Deutschen in Russland

1702: Anwerbungsmanifest unter Peter dem Großen: Einladung der Ausländer in beide Hauptstädte
Unter der Katharina II:
1. Manifest (4. Dezember 1762), 2 Manifest (22. Juli 1763): Einladung der Ausländer
Ziele:
      - Steuerpflichtigen zu erhöhen
      - Vergrößerung der Produktion
      - Neue Technologien (das Know-How)
      - Erschließung neuer Gebiete
      - Loyalität
Auswanderer kamen vor allem aus Hessen, Preußen, Bayern. Sie waren von Abgaben befreit, versorgt mit Baumaterialien und Krediten.
Die Gründe dabei waren:
      - Landnot in Deutschaland
      - Überbevölkerung in Deutschland, Hungernot, Missernten
      - Unterdrückung durch den eigenen Fürsten
      - Intoleranz in Glaubensfragen
      - Steuerlast
      - Militärdienst
Probleme:
      - Enttäuschungen über den ihnen zu Verfügung gestellten Boden
      - Schlechte Ausrüstung
      - Teilweise unerfahren
      - Überfälle von Nomaden
      - Bauernaufstände
Einsiedlungsrayons waren Wolgagebiet, Krim und Kaukasus, Bessarabien
      - 1929 Zwangskollektivierung (deutsche Gebiete = Kulakengegenden)
      - 1937: Nach der Verfassung von `36: Bildung der Wolgarepublik
      - 1941: Deportation nach Nord-Sibirien und West-Kasachstan
      - Ende der 80er Jahre: verstärkte Auswanderung nach BRD

2. Die mittelasiatischen Republiken: Russlands „Dritte Welt“

      - 1865 - 1885: Expansion nach Mittelasien
Gründe:
      - strategische:
            o Befestigung der Grenzen gegen die Türkei
            o Rivalität zu England (Persien, Indien), Japan, USA
      - Wirtschaftliche:
            o Rohstoffe
            o Boden
Vorteile:
      - Modernisierungsprozess
      - Entwicklung der Industrie
Nachteile:
      - unterwerfende imperialistische Macht:
            o Unterdrückung der Tradition
Sowjetisches Mittelasien:
      - 1924 – 1936: Mittelasiatische Stätte wurden in die UdSSR eingegliedert
Vorteile:
      - Tourismus
      - Gesundheitswesen
      - Ausbildungsmöglichkeiten

Gründe für „Dritte Welt“ - Bezeichnung:
      - Länder = Rohstofflieferanten
      - Anbau von Monokulturen (z.B.: Baumwollindustrie)
      - Keine Rücksicht auf Ökologie
Neuer Nationalismus:
      - Ab Ende der 80er: neue nationalistische Bewegungen
      - Dezember `91: Auflösung der UdSSR
      - Bildung der Nationalstaaten 雂 Unabhängigkeit von UdSSR (Dennoch: weitere militärische und wirtschaftliche Bindung an Russland)

3. Politische Parteien in Russland (1905- 1917)

      - RSDRP: Bildung 1898 unter Lenin
      - 1903 und 1912: Spaltung in Bolschewiken und Menschewiken
      - Arbeiterpartei
      - Ziele:
            o Revolution
            o Bildung des Arbeiter- und Bauernstaates
      - SR (Sozialrevolutionäre)
      - Gründung 1905
      - Führung: Viktor ೄernov
      - Zielgruppe: Bauern
      - Ziele:
            o Dezentralisierung des Reiches
            o Demokratische Republik
            o Sozialisierung des Landes
      - Kadetten: (konstitutionelle Demokraten)
      - Gründung: 1905
      - Führung: Maljukov
      - Ziele:
            o Verfassungsgebende Versammlung
            o Parlamentarische Monarchie
            o Liberalisierung im westlichen Sinne

4. Gegenwärtige Parteienlandschaft

      - KPRF
            o Gründung 1990 (innerhalb der KPdSU)
            o Führung: Zjuganov
            o Ziele:
                  § Wiedereinführung der Volksmacht in Form der Sowjets
                  § Soziale Gerechtigkeit
                  o Verbot der Partei 1991- 1993
      - Einheit
            o Führung: Šojgu
            o 1999 (drei Monate vor der Wahl)
            o Ziele:
                  § Kein Programm
                  § Starker Staat
                  § Unterstützung Putins
      - Vaterland - Ganz Russland
            o Führung: Lužkov, Primakov
            o Ziele:
                  § Stärkung der Regionen
                  § Mehr Befugnisse an Parlament
      - Union der rechten Kräfte
            o Entstehung kurz vor der Dumawahl: 1999
            o Führung: Kirijenko, Gajdar
            o Ziele:
                  § Marktwirtschaftliche Reformen
      - Jabloko
            o Entstehung: 1993
            o Führung: Javlinskij, Stepašin
            o Ziele:
                  § Demokratisches und marktwirtschaftliches Programm
                  § Gegen den wilden Monotarismus (Kapitalismus)
                  § Reformen unter staatlicher Kontrolle
      - Žirinovskij - Block
Früher: LDPR (1990): Verboten
            o Führung: Zirinovskij
            o Ziel:
                  § Starker Staat
                  § Antisemitische Elemente
                  § Ultranationalistische Kräfte

5. Demokratischer Zentralismus am Beispiel Tatarstans

Rechte aller Republiken innerhalb der RF:
      - Staatsqualität mit eigener Verfassung
      - Eigene Staatangehörigkeit
      - Weitere Staatssprachen neben Russisch (obligatorisch) sind erlaubt
      - Minderheitenrahmengesetz (gilt seit 1990)
Minderheitenspezifische Individualrechte:
      - Nationale Bekenntnisfreiheit
      - Recht auf den Gebrauch der Muttersprache und Unterrichtssprache
      - Eine allgemeine Förderungspflicht für den muttersprachlichen Unterricht der Minderheiten (aber: Unterrichtssprache: vom jeweiligen Schulträger bestimmt)
      - Abschließung der bilateralen (beidseitige)Verträge und der Kompetenzabgrenzungsverträge

6. Tatarstan

Entwicklung:
      - Während des Putsches von 1991 war Tatarstan für den Erhalt der UdSSR
      - 1992: Referendum über die Souveränität des Tatarstans
            o eigenständige Wirtschafts- und Sozialpolitik (z.B. Rohölexport)
      - Weigerung, den Föderationsvertrag zu unterzeichnen, da RF seine Souveränität nicht anerkennt.
      - Verkündung der tatarischen Verfassung, deren Normen über deren von RF stehen 雂 Ablehnung der Verfassung durch die RF.
            o Folge: Nichtzahlung der Steuern an Moskau (1993)
      - 1993: Ablehnung der neuen Verfassung der RF durch Tatarstan
      - Drohung der Blockade der Erdölpipelines durch Moskau
1994: Vertrag über Abgrenzung der Kompetenzen zwischen RF und RT (Republik Tatarstan)
      - Weitgehende Kompetenzen in Wirtschafts- und Außenhandelspolitik
      - Gestaltung des inneren Staatsaufbaus
Gesamtgesehen hat Tatarstan mehr Rechte als andere Republiken erhalten
Zuständigkeiten des Zentrums:
      - einheitlicher Markt
      - Finanz- und Währungswesen
      - Preispolitik
      - Haushalts- und Steuerpolitik
      - Energie- und Verkehrpolitik
      - Außenpolitik
      - Verteidigung
      - Föderalstaatsdienst
Gemeinsame Zuständigkeiten des RF und Tatarstans
      - Menschen-, Bürger- und Freiheitsrechte
      - Kultur, Bildung
      - Gesundheitsschutz
      - Gesetzgebungsfragen
      - Schutz von ethnischen Minderheiten
      - Kompetenzen von Tatarstan:
      - Budgetaufstellung und Steuereinnahme
      - Staatsorganisation in Tatarstan
      - Staatsangehörigkeit Tatarstans
      - Nutzung von Grund- und Bodenschätzen
      - Nutzung von staatlichen Betrieben (mit Ausnahme des Eigentums von RF)
      - Alternativer Zivildienst in Tatarstan

7. Justitzreform und Justizgesetzgebung

Justiz vor der Reform
      - keine Gewaltenteilung
      - starke Stellung des Gouverneurs
            o bei Gerichtsentscheidung
            o Dienstaufsicht der Richter
            o Entscheidung über das Ermittlungsverfahren
            o Abhängigkeit der Gerichtsbehörden von der Verwaltung
            o die nichtrichterlichen Behörden üben Kortrollfunktion im Senat aus:
Gerichtsaufbau:
      - Nach Ständen gegliedert
            o Jeder Stand hat sein eigenes Gericht
            o Für Bauern gilt die gutsherrliche Gerichtsbarkeit
                  § Gutsherr übernimmt die Funktion eines Richters nach eigenen Gutdünken
Justizpersonal:
      - Für Richteramt wurde keine juristische Ausbildung vorausgesetzt (auch in Senat)
      - Kaiser entschied über die zum Senator erwählte Person
      - Geringe Besoldung (Lohn) der Richter
            o Keine (Weiter-)Bildung
            o Korruption
      - Fehlen einer professionellen Vertretung für den Angestellten
      - Richter war gleichzeitig der Ankläger und der Verteidiger
      - 1861: Aufhebung der Leibeigenschaft
            o Aufwertung des rechtlichen Status von ehemals Leibeigenen
            o Wegfall der gutsherrlichen Gerichtsbarkeit
            o Erneuerung des Gerichtswesens notwendig
Justizreformen:
      - Wegfall der Gerichtsbarkeit
      - Dorf- und Volost’-Gerichte
      - Einsetzung der Friedensrichter auf 3 Jahre(bei Streitigkeiten zw. Freigelassenen und Gutsbesitzern in Bauernfragen)
      - Einsetzung von Geschworenen
      - Abschaffung der Leibesstraffen
      - Einführung der Gewaltenteilung
      - Steigerung des Bildungsniveaus im Gerichtsstand
      - Verhandlungen finden öffentlich statt
      - Abkürzung der Verfahren
      - Professionelle Anwälte – Vertretung von Kläger und Angeklagten
      - nach 1905: Abschaffung mehrerer Reformen
Zusammenfassung: Das Miteinader von Archaik und Prognosen

8. Verfassungen der UdSSR und die Verfassung der RF von 1993

1) Verfassung der RSFSR vom Juli 1918:
Oberstes Ziel: Errichtung des Sozialismus
Ziele der Übergangsperiode:
      - Errichtung der Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft
      - Unterdrückung der Bourgeoisie
      - Abschaffung der Einteilung der Gesellschaft in Klassen
      - Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen
Den „Werktätigen“ wurden garantiert:
      - Gewissensfreiheit
      - Meinungsfreiheit
      - Versammlungsfreiheit
      - Koalitionsfreiheit
      - Recht auf Bildung
      - Wahlrecht
Pflichten der Bürger:
      - allgemeine Militärpflicht
      - allgemeine Arbeitspflicht
      - kommunistische Partei in der Verfassung nicht erwähnt
2) Verfassung der RSFSR von 1924
      - der Grundrechtskatalog fehlt
      - Übertragung der Struktur der RSFSR auf die Union
      - Kommunistische Partei in der Verfassung nicht erwähnt
3) Verfassung der RSFSR von 1936 (Stalin-Verfassung)
      - alle Bürger – zum ersten mal als gleichberechtigt definiert
      - Grundrechte und Freiheiten wieder eingeführt
      - Rede- und Pressefreiheit
      - Versammlung und Demonstrationsfreiheit
      - Unverletzbarkeit der Person und Wohnung
      - Gleichberechtigung der Frauen
      - Recht auf Erholung
      - Wahlrecht: geheim, frei, direkt, allgemein, gleich
      - Die Grundrechte waren dem Staatsrecht untergeordnet
Pflichten:
      - gleich wie von 1918
Die Partei wurde in der Verfassung als Institution erstmals erwähnt
1961: Die neue Verfassung ist nach der Chruščovs Ansicht notwendig
4) Verfassung von 1977 (Brežnevverfassung):
      - in der Verfassung wurde die totale Macht der Partei festgelegt (важно)
      - Unverletzbarkeit der Person und Wohnung
      - Brief- und Telefongeheimnis
      - Recht auf Kritik der staatlichen Organe
      - Verbot der Verfolgung wegen der Kritik
5) Verfassung der RF von 1993
      - die demokratischste Verfassung Russlands
      - Russische Föderation – demokratischer föderativer Rechtstaat mit republikanischer Regierungsform
      - Die Rechte und Freiheiten der Bürger stehen über die politischen Autoritäten
      - Die Rechte und Freiheiten der Bürger wurden betont
      - Ideologische und politische Vielfalt
      - Mehrparteiensystem

9. Die sozialistische Planwirtschaft

      - Den Kapitalismus als solchen gab es in Russland anhand der Rückständigkeit des Landes und vorwiegend der agrarischen Bevölkerung nicht
      - Spätestens 1929 eingeführt
      - Militärisch strukturierte Wirtschaft
      - Rathenau führt die Kriegswirtschaft ein, die der sowjetischen Planwirtschaft ähnelt
      - Das Bankwesen befindet sich in der staatlichen Hand
      - Die Betriebe sind dem Staat verantwortlich
      - Die Betriebe bekommen die staatlichen Aufträge; der Staat kauft bei den Betrieben
      - Preise sind fixiert
            o Der wahre Wert der Waren bleibt unbekannt
            o Unterdrückung der Inflation
      - Verschwenderischer Umgang mit den Bodenschätzen
            o Ökologische Katastrophen
      - Die Zentrale reagiert zu langsam auf die Änderung der Nachfrage der Bevölkerung
      - Korruption des Staatsapparats
      - Subventionen der unprofitablen Betriebe
      - Fehlen der Motivation der Arbeiter
      - Kolchoshaushalte liefern die Abgaben an den Staat
      - 1929: Einführung der 5jahres Pläne
            o Förderung der Industrialisierung
      - In der Zeitperiode der Perestrojka partieller Verzicht auf die Planwirtschaft
      - Mit dem Zusammenbruch der UdSSR – Zusammenbruch der sozialistischen planwirtschaftlichen Struktur


Diese Zusammenfassung basiert auf dem Ergebnis, das in der langen Nacht von Viktoria Günter, Natalja Nimführ und Aleksej Golowerda ins Leben gerufen wurde.

Als Hauptquellen gelten dabei:
- Nolte, Hans-Heinrich: Kleine Geschichte Rußlands. Reclam: Stuttgart 1998.
- Torke, Hans-Joachim: Lexikon der Geschichte Rußlands. Beck: München 1985.
- Stökl, Günther: Russische Geschichte. Kröner: Stuttgart 61997.

Die Zusammenfassung der Referate basiert auf der kollektiven Arbeit der Teilnehmer an der Landeskundeübung im SS'00.

ANG