Route 66 (Auswahl)

Verreisen Angst Blumig Häschen in den Wäldern Selbstmitleid Der blaue Himmel Die Jagd Verkleidung Ein Lacher Ein Loch im Magen Ode an den Bügeleisen Ode an den Tod Ein Stein im Herzen Der Tag Tod in der Wüste Die Wahrheiten Ein Blitztreffer Worum es geht Die Wüste Zuviel Gewicht In der Mitte zwischen den Ecken These, Antithese, Synthese

Verreisen

Man sitzt in Zug und fährt dahin.
Man fühlt sich stark wie Aladin.
Man glaubt: Erreicht man ein Bestimmungsort:
Erfühlen sich die Wünsche dort.

Doch wenn's nicht klappt, so fährt man fort.
Vielleicht erreicht man einen anderen Ort…
Man zwingt sich eine Weile, weiterhin zu träumen
Abzugsbereit, den Sitzplatz aufzuräumen.

Doch wenn das neue Örtchen einem nicht gefällt,
So sucht man seine Nische weiter in der Welt.
Man reist und hetzt sich hin und her,
Dann hat man Zweifel… Man leidet sehr.

Allmählich hasst man seine Welt,
Und wenn man nicht gleich einem Hund sein will, der ständig bellt,
So schließt man sich in dem Zimmer ein
Und lässt das Reisen einfach sein.

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Angst

Was wird passieren, wenn ich mich verspäte?
Und was geschieht mit mir, wenn sich niemand findet, der mich rettet?
Vielleicht erkranke ich und werde sterben,
Ganz ohne Auszeichnungen in meinem Leben zu erwerben.

Ich habe wieder keine Lust.
Mir wird es übel, da ich wieder etwas machen muss.
Gefahren warten auf mich.
Womöglich fällt ein Stein noch heute auf mich?

Ich werde sicherlich ertrinken.
(Am besten sollte ich das Wasser nicht mehr trinken.)
Ich werde einen Test versauen.
Ich habe viele Gründe, die mich grauen.

Ersticke ich? Vielleicht bin ich schon am Ersticken?
Verliere ich bereits mein Augenlicht, denn ich kann längst schon nicht mehr klar durchblicken?
Ich höre nichts, denn meine Ohren tun mir weh.
Ich habe Angst vor einer Tiefe in dem Meer.

Es könnte auch schlimmer kommen.
Ich könnte auch einfach so urplötzlich anlasslos umkommen.
Das Leben kommt mir vor, wie ein verfluchter Thriller.
Die Angst ist unser allerbester Killer...

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Blumig

Die Finger tanzen ein Ballett.
Mein Körper dreht sich wie ein anomalischer Magnet.
Die Zunge dehnt sich wie ein Kaugummi.
Und alles wirkt um mich so fröhlich und so blumig...

Ich fühle mich befreit und kräftig
Und jeder Aufgabe mächtig.
Ich leide unter starken Drogen.
Es dauert noch ein paar Wochen...

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Häschen in den Wäldern

Fröstelt meine Kehle,
Hart wird meine Zunge.
Es wird nicht mehr heller.
Ich bleib still im Bunker.

Was soll ich jetzt machen?
Mein Verstand hinüber.
Keine warmen Sachen.
Keine Sachen drüber.

Keine warme Socken,
Bitte, nur ein Paar.
Socken, warme Socken,
Socken ganz und gar.

Es wird immer kälter.
Es ist mir egal.
Häschen in den Wäldern.
Vater Frost total!

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Selbstmitleid

Die gnadenlose Sonne brennt in meinem Herzen.
Ich stelle auf den Boden eine Kerze.
Und lasse mich auf diesen nieder,
Gezwungen von dem inneren Gewitter.

Der Alltag wird mein Leben mir wegnehmen,
Wenn ich sofort selbst nichts dagegen unternehme.
Ich schlitze meinen Magen auf
Und mache meinen Körper auf.

Rasch ziehe ich mein Herz hinaus
Und halte es wie eine kleine Maus.
Es schlägt in meinen Händen hilflos.
Es kämpft gerissen und doch sinnlos.

Ich wollte mich von diesem Stückchen Fleisch entbinden,
Um auf diese Weise meine Ruhe endlich doch zu finden.
Es betet um die Gnade, blutet, weint.
Ich stecke es, gerührt, zurück. Wir sind erneut geeint.

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Der blaue Himmel

Wenn ein Stuhl dich ohne Warnung schlägt
Und die Zimmerdecke auf deinen Schädel fällt…
Wenn die Fliege auf der Wand dich wahnsinnig erregt,
Wenn ein Baseballschläger dich zusammenschlägt…

Und dein Hemd versucht dich anzugreifen.
Und die sauren Gurken lachen dir verspottend ins Gesicht.
Du versuchst die Gegenoffensive, wenn's noch geht, vorzubereiten.
Dein Gefrierfach steigt empor wie ein eiskalter Bösewicht.

Du steigst hoch ein einem blauen Himmel,
Manövrierst erfolgreich zwischen sieben Wolken.
Dann erkennst du plötzlich: Du bist immer noch im Zimmer.
Und die Wolken sind in Wirklichkeit die grellen Leuchten.

Das kann heißen nur: Du hast zu viel geraucht.
Letztlich bist du nur ‘ne arme Sau.
Sieh nun zu, ob du es wirklich brauchst,
Denn beim nächsten Mal wird blauer Himmel grau.

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Die Jagd

Verschlossen ist der Raum.
Die Jagd ist angekündigt.
Der Himmel wird zunehmend grau.
Und jeder Hund ist seines Herrchens würdig.

Du lässt die ersten Türen für dich öffnen.
Nun ist der Start gestattet.
Die weiteren wirst du selbst weiter öffnen,
Solange man dich irgendwann bestattet.

Und wenn du gute Beine hast,
So wirst du Hunden eine Weile noch entfliehen.
In diesem Rennen hast du keine Rast.
Und keine Auszeichnung wird dir für die Schnelligkeit verliehen.

Erreichst du zwischendurch ein Zufluchtsort,
So wird man dich sofort von da verlangen.
Wo du zur Ruhe kommst, ist kein Bestimmungsort
Du kannst vom Rennen keinen Zwischenstopp verlangen.

Und wenn du plötzlich aufgibst,
So hast du diese Hetze schon verloren.
Du bleibst dein ganzes Leben in dem gleichen Raum stecken, bist du stirbst,
Und hast mit deiner Aufgabe lediglich die Nachbarin verworren.

Wenn du dein Ziel jedoch erreichst,
So musst du dennoch weiter rennen.
Ein neues Ziel wird dir prompt überreicht.
Du willst doch keine Chancen doof verpennen?

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Verkleidung

Um in dem Leben leichter auszukommen,
Und saftigere Früchte zu bekommen,
So braucht man bestimmte Künste,
Verlagert man damit sich günstig.

Um ein volltreffendes Ergebnis zu erzielen,
Muss man vorausdenkend das Gewünschte anvisieren.
Es kommt darauf an, wie gut du es anpackst.
Pass nüchtern auf, wo und was du sagst.

Ein richtiger Anpacker ist ein Schauspieler,
Vertraut mit dem Instinkt eines Killers.
Im Leben haben Trümpfe die Verwandlungskünstler.
Die Perspektiven sind bei ihnen alles andere als düster.

Man muss sich prompt verschleiern können,
Man darf sich keine Unachtsamkeiten gönnen,
Denn du kannst gleich das Spiel verlieren.
In diesem Falle helfen nicht mal ehrliche Manieren.
Verwende ruhig jede List.
Hab keine Angst zu wühlen durch den Mist.
Verausgabe deine Künste bis zum Limit.
Die Schminke, die du trägst, heißt Pantomime.

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Ein Lacher (frei nach Velimir Chlebnikov)

Ihr macht es lach, ich mache es viel lacher:
Du, Lächlein, und du auch, Lächling,
Ihr lächelt, lächelt, lacht euch aus,
Ihr lacht mich bis zum Lachsinn graust.

Ich muss jetzt lachen, weil
Verlacht in alle Lächigkeit!
Ihr, kleine Lächelchen und große Lacher,
Ihr werdet ausgelächelt, wenn ich lach.

Hey, Lacher, lächle mal!
Hey, lächle mal, du, Lacher!
So lachhaft will ich lachen...
Das war zum Lachen und das war gelacht.

Ihr lächerliche Lächter,
Wie? Nichts zu lachen?
Hast du nicht gut gelacht?
Hast gut gelachert?

Ich werde lachen bis zum Lachen...
Was gibt's zu lachen?
Ich lache, wenn ich lache,
Und ich möchte lachen, wenn ich lache.

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Ein Loch im Magen

Verschlingt man eines Tages eine Gabel,
So fürchtet man sich um den Magen.
Denn jede Gabel spendet ein bis zwei paar Löcher.
Sie gehen manchmal richtig durch die Knochen.

Aus diesen Löchern fließen nachhinein Mahlzeiten
So stetig fließend wie Gezeiten.
Und es ist peinlich und unangenehm
Wenn die Mahlzeit durchsickert. Es ist einfach unbequem.

Am besten wäre es, das Loch zu stopfen.
Doch wie erkennt man, wo es tröpfelt?
Die Löcher sehen alle gleich aus.
Der Magen ist an sich ein Löcherhaus.

Was machst du dann in diesem Falle?
Was unternimmst du, um das Loch zu schmalen?
Für welches wirst du dich entscheiden?
Wie schonst du deine Eingeweide?

Es ist allein dir vorbehalten,
Sich für die richtige Wahl zu entscheiden.
Du kannst dabei dein Ziel verfehlen.
Doch andersrum wirst du dich nicht ernähren.

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Ode an den Bügeleisen

Oh, du, das schöne Bügeleisen!
Lass dich umarmen, lass dich liebkosen!
Ich möchte dich willkommen heißen!
Du glatter, lass dich nieder auf meine Hose!

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Ode an den Tod

Hoch auf den Tod!
Der alle gleich macht.
Der alle auf eine Stufe stellt.
Der befreit und bereinigt.

Dem keiner entkommen kann.
Der umso näher rückt, je länger wir an ihm vorbeileben.
Der wunderschön erschreckend ist.
Der keine Wünsche unerfüllt lässt.

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Ein Stein im Herzen

Liegt ein Stein in deinem Herzen,
Schmeiß ihn ruhig aus dem Fenster.
Dabei kann das Fenster platzen:
Besser so, als ewig sich zu kratzen.

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Der Tag

Ein Tag bricht an. Er ist schon da.
Sein Anbeginn ist ein Fauxpas.
Soll ich ihn etwa ignorieren,
Und meinen Job spontan quittieren.

Ich mache diesen Tag, wie immer, langsam kalt
Mit widerwilliger und trotziger Gewalt.
Ich wart' darauf, dass er einfach aufhört
Und dass er insbesondre nachts mich nicht mehr stört.

Gehört der Tag mir oder ich zu ihm?
Dann ist die Lage noch prekärer, richtig schlimm.
Ich möchte seine Bürde nicht auf mich nehmen.
Ich werde irgendwas dagegen unternehmen.

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Tod in der Wüste

Du schmeckst den Sandstaub zwischen deinen Zähnen.
Die schwere Zunge trocknet in dem Mund.
Du spürst die Haut, umhüllt von einer Feuermähne,
Und keinen unter deinen Füssen festen Grund.

Gott Re schwimmt leis‘ im roten Himmel.
In seinem Schleppkahn schaukelt ein Sarg.
Du hörst dir wohl bekannte Stimmen.
Sie weinen inbrünstig stark.

Fata Morgana holt dich in die Virtualität.
Delphine spielen auf deinem nassen Bauch.
Das Wasser ist die einzige Mentalität,
Ein leichter kühler feuchter Hauch.

Der blaue Wal trägt dich zum Ozean.
Die Wassernymphe streichelt deine Brust.
Auf deinen Lippen schwimmt ein Schwamm.
Du holst dir diese Freudenlust…

Die Wüste schaut gelangweilt auf die Leiche.
Die Leiche wird verschüttet und verbrannt.
Eine Tarantel baut ein Versteck, um in den Schatten zu entweichen.
Der Stress und das Getümmel sind ihr unbekannt.

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Die Wahrheiten

Man unterscheidet zwischen zwei Wahrheiten
Wie im Binärcode zwischen zwei Einheiten.
Durch eine wohlgelungene Kombination
Entsteht 'ne Menge der Instant-Information.

Entweder liest man aus dem Datenmüll die Schätze auf oder wird es einem vor den Augen dunkel.
So bilden sich verschiedene mal glückliche, mal weniger Entwürfe in dem großen Lebensdschungel.
Das wechselhafte Dualismus-Spiel wird nicht aufhören.
Keine Synthese wird das Hin und Her, das Anti-Pro zerstören.

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Ein Blitztreffer

Ich soll vom Blitz getroffen werden.
Er soll den ganzen Körper unerwartet treffen.
Er darf mich schneiden, wie er will.
Die Knochen sollen brennen, wenn sie wollen.
Ich werde auf die Erde fallen und die Arme ausstrecken.
Ich sterbe ohne es bemerkt zu haben.
Die Menschen werden sich sehr wundern, wie es denn passieren konnte.
Und mich, den armen Hund, beweinen.
Doch keiner soll bemerken, dass es meine Intention war.

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Worum es geht

Es geht darum, ob du befreit und unverschämt frohlocken kannst.
Es geht darum, ob und worauf du dich setzt.
Es geht darum, durch wessen Brillen du die Welt anstarrst.
Es geht darum, wie du das Wort „Verräter“ definierst.
Es geht darum, wie hoch du deine Vollbereitschaft wirklich treiben kannst.
Es geht darum, ob du jetzt auf der Stelle kämpfen kannst … oder erst in einem Augenblick.
Es geht darum, mit welcher Größe du zufrieden bist und welche du ertragen kannst.
Es geht darum, um was es dir geht, sonst um gar nichts.

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Die Wüste

Die brennende Sonne schmort in deinen Händen.
Sie schmiegt sich zur Haut mal rau mal mild.
Hier, jetzt, in der Wüste vertrockneter Erde.
Gibt's kaum noch Raum, wo die Sonne nicht quillt.

Es wachsen im Sand keine Wände,
Kein Baum, kein Meer und kein Wind.
Das brennende Licht ohne Ende.
Und niemand, der noch mit dir spricht.

Du bist in der Wüste geboren.
Du kehrst in die Wüste zurück.
Du hast bis jetzt gar nichts verloren,
Du warst weder mutig noch wirklich verrückt.

Du wirst in der Wüste verenden,
Fast ohne zu merken, wie dies nun geschieht.
Du wirst mit dem Tod nichts erwerben.
Es wird so geschehn, weil es einfach passiert.

So lass deine Hände verbrennen.
Verstecke nicht mehr dein Gesicht.
Du kannst von hier nicht mehr wegrennen,
Und niemand hört zu, wenn du sprichst.

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Zuviel Gewicht

Wieso liegst du in deinem Bett?
Du fühlst dich nicht ganz recht?
Du wolltest eben aufstehen,
Dich munter machen, dich umdrehen?

Du machst es trotzdem nicht.
Du hast zu viel Gewicht.
Nicht das Gewicht der Körpermaße,
Sondern die Last der psychologischen Ekstase.

Zu viel Gewicht dank Frustration,
Zu wenig von der Selbstmotivation.
Zu oft hast du bis dato Dinge falsch gemacht.
Du denkst, dass man dich jetzt dafür verlacht.

Jetzt hast du Angst, neu anzufangen.
Du willst und kannst nichts mehr von dir verlangen.
Doch wozu lebst du überhaupt noch,
Wenn solche Frust dich unterjocht?

Deswegen steige aus dem Bett.
Du bist dein Herr. Du bist kein Knecht.
Versuche erst die Dehnübungen zu machen
Und fange endlich an mit irgendwelchen Sachen.

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In der Mitte zwischen den Ecken

Wenn ich in einer Ecke sitze
Und warme Kleider um das Leib besitze,
So kann der Wind mich nicht erreichen,
Doch können mich die Sonnenstrahlen auch nicht bereichern.

Wenn ich mich in die Mitte setze
Und mich den Wirkungen der Sonnenstrahlen aussetze,
So zieht der Wind durch meinen Leib.
Ich bin womöglich nass und kalt und triefe Schweiß.

Ich muss mich öfters an- und ausziehen,
Ich bin die ganze Zeit damit beschäftigt, wie und wann ich mich umziehe.
Nicht anders ist doch unseres Leben:
Ein Lauf hin und her bis zum Erbrechen.

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These, Antithese, Synthese

Ihr Gott, Ihr Ideal und Ihre Freiheit.
Ihr Lebensinhalt und Ihr Glück.
Ihr Job, Ihr Recht, Ihr Opfer
Und schließlich Ihre Pflicht und Ihre Konfession.

Mein Gott, mein Ideal und meine Freiheit.
Mein Lebensinhalt und mein Glück.
Mein Job, mein Recht, mein Opfer
Und auch meine Pflicht und meine Konfession.

So… Diese Übersicht ist keine bloße Wortäquilibristik.
Hier ist weit mehr präsent als eine oberflächige feldforschende Sophistik.
Wir wollen hier Anwendung finden für die tiefergreifende Heuristik…

Betrachtet man für sich allein die Komponente
So handelt es sich – augenscheinlich – um Äquivalente.
Doch – blickt man in die Tiefe – sind es Kontroversen.

Die Parallelen sind zwar da, doch ähneln sich die Possessionen
Nicht der Verwandtschaft, sondern Aggressionen:
Verschieden sind Konnotationen und Visionen.

Zum Beispiel so: Ihr Glück ist Ihre Pflicht.
Ihr Lebensinhalt ist Ihr Job.
Mein Glück ist meine Freiheit.
Mein Lebenssinn ist meine Konfession.

Noch besser so: Ihr Opfer ist mein Gott.
Mein Ideal ist Ihre Freiheit.
Ihr Recht ist meine Pflicht.
Und ihre Götter ist mein Opfer.

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