Begriffe zur Landeskunde Russlands

Leibeigenschaft – Крепостничество

Scholleabhängigkeit der schwarzen (lasten- und steuerpflichtige) Bauern und Landlosen бобыли vom Grundbesitzer auf Wunsch des Adels, die Bauern an den Grundbesitz (z.B. Dienstgut) zu binden; Freie Verfügung des Gutsbesitzers über die Bauern Viele Bauern flüchteten in den Süden zu Kosaken. Dienstpflichten der Bauern: Fronarbeit (барщина): Feldbearbeitung (vor allem in südlichen Gebieten); Zins (оброк): Naturalien, Teile der Ernte (vor allem in nördlichen Gebieten).

Zins – Оброк

Zins in Form von Naturalien, Teilen von Ernten das die Bauern an ihre Gutsbesitzer (vor allem reichere Grundherren) oder in magereren Gebietsböden des Nordens zahlen mussten.

Fronarbeit – Барщина

Unbezahlte Arbeit von Leibeigenen, die ihren Lebensunterhalt und ihre steuerlichen Lasten aus der Arbeit auf dem ihnen persönlich zugeteilten Grund und Boden bestritten.

St-Georgs Tag – Юрьев День

1497 bis 1581: der letzte Erntetag (26.11 – Юрьев День), an dem die Bauern ihren Besitzer frei wechseln konnten. Abzugsrecht beschränkt auf eine Woche vor und nach dem Georgstag.

Rangplatzordnung – Местничество

Rangsystem (Ende des 15. Jh.), das am Hof des Ivan III entwickelt wurde. Die Regelung der Beziehungen des hohen Adels nach dem Prinzip des Abstammung, die wegen der Neuzugänge (Ende 15. Jh.: Sammlung des russischen Landes) durch wachsende Rivalität gekennzeichnet, die dem auf Dienst und Herrschaft ausgerichteten Wesen des Adels entsprach (Bojarenrang war nicht direkt erblich, sondern jeweils erst nach best. Dienstzeit verliehen). Differenzierung des Systems der Ränge (чины) innerhalb des gesammten Adels:

Jeder der Ränge hatte seine eigenen Privilegien. Rangplatzordnung wurde 1682 abgeschafft. Rangtabelle (nach dem Leistungsprinzip) löst die Rangplatzordnung ab.

Rangtabelle – табель о рангах

Ziel: Förderung der Adligen nach dem Leistungsprinzip nicht nach der Herkunft; die Möglichkeit der nichtprivilegierten Schichten den Adelstitel zu erhalten. Drei Arten: Militär-, Zivil- und Hofränge (jeweils 14).

Bauerngemeinde – мир, община, артель

Knechte – Холопы

Zum Knecht konnte man werden durch

Aufgaben/Funktion

Ab Ende des 17. Jh. bekamen einige Knechte ihr Grundstück und waren steuerpflichtig. 1722 wurden дворовые холопы den Leibeigenen gleichgestellt.

Тяглые люди

Steuerzahlende Bürger

Бобыли

Bojaren – Бояре

Adlige – Дворяне

Gutsbesitzer – Помещики

Kleinbürgertum – Мещанство

Nichtadlige Intellektuelle – Разночинцы

Intelligenzia – интелигенция

Entkulakisierung – Раскулачивание

Kulaken: die Schicht der Großbauern, die sich vor allem in der Zeit der NÖP vergrößerte.

Podkulačniki/подкулачники: Verarmte, Bettler, unverwünschte Personen usw.

Gulag (Hauptverwaltung der Lager) – ГУЛаг (Главное управление лагерей)

Opričnina – Опричнина

Von Ivan IV. unmittelbar unter die Verwaltung des Zaren gestellte Landesteile:

Dritte Abteilung -Третье отделение

Борьба с космополитизмом

Жданов

Tauwetter – Оттепель

Ab dem XX. Parteitag (1956) ca. bis Kubakrise (1962) Politik Chruščevs:

Lockerung der bisherigen Fixierung auf die dogmatischen Prinzipien der KPdSU: Tauwetter-Periode (nach dem Titel eines Romans von Ilja Ehrenburg).

14. Oktober 1964: Sturz Chruščevs

Friedliche Koexistenz – Мирное сосущуствование

Die außenpolitische Zurückhaltung wurde in dem Moment aufgegeben, als man in Moskau angestrebte Gleichgewicht mit der westlichen Vormacht, den Vereinigten Staaten von Amerika, Mitte der 50er Jahre für erricht hielt.

Der Kalte Krieg, später der Berliner Mauerbau (1961), um die Flüchtlingsströme aus Ost-Berlin zu stoppen, und die Kubakrise (Oktober 1962) zeichneten deutliche Rückwendung.

Erst ab Ende 1962 – 63 und bis zu den Krieg in Afghanistan 1979 konnte man eine Entspannung erkennen. (Installation einer Direktverbindung (das rote Telephon), Verzicht auf gegenseitige Propaganda usw.)

Stagnation – Застой

Konservierung des politischen Regimes in der Regierungszeit Breznevs (1906 – 1982) nach dem Sturz Chruščevs am 14. Oktober 1964.

Die ständig wechselnden Direktiven und Reformen der Parteiführung hatten die Kader verunsichert und den Eindruck vermittelt, dass die KPdSU in die Orientierungslosigkeit steuerte. Als Brežnev die Macht übernahm, setzte er das Ziel voraus, der in Partei und Gesellschaft verbreiteten Verunsicherung ein Ende zu bereiten und die Zügel fest in die Hand der KPdSU zu verankern. So wurde als erstes (29. März bis 8 April 1966, XXIII. Parteitag) das in Artikel 25 des Parteistatuts von 1961 verankerte Rotationsprinzip abgeschafft.

Weitere Folgen:

Damit wurde die Positionssicherung der Nomenklatura und die Wiederausrichtung des gesamten öffentlichen Lebens nach den Direktiven der Partei wieder erlangt.

Perestrojka (Umbau, Umgestaltung) – Перестройка

Perestrojka wurde in der KPdSU verschiedentlich als Schlagwort für organisatorische Veränderungen in der Parteistruktur benutzt. Sowohl die Reorganisation des Parteiaufbaus 1929/30 wie die von 1934 wurden zeitgenössisch als P. bezeichnet. Nach dem Amtsantritt Gorbačevs als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU im März 1985 bekam der Begriff einen neuen Inhalt.

Politische Grundprinzipien standen vor dem wirtschaftlichen. Perestrojka bewegte sich auf den Halbmaßnahmen: man versuchte die sozialistische Planwirtschaft beibehalten unter der Einführung der marktwirtschaftlichen Verhältnisse, was an sich der Widerspruch war. Staatlich fixierte Preise ermöglichten keine frei Entfaltung der Betriebe. Als Folge versagten die Reformen unter Gorbatschow.

1990 fordert Boris Jelzin den Übergang zur Marktwirtschaft. Ein Teil der Führung und viele Wissenschaftler begriffen die Perestrojka als soziale Revolution, d.h. als radikale Veränderung der sozioökonomischen Struktur (Wirtschaft und Gesellschaft). Manche Parteiführer waren jedoch für die Modernisierung der Wirtschaft beim gleichbleibenden gesellschaftlichen und politischen System. Die Wirtschaftskrise 1989 zeigte das solche Position nicht zukunftsfähig war. Mitte 1991 versuchten die konservativen Kräfte ihre Macht trotzdem zu halten (August-Putsch).