Das Alphabet

Verbreitung des Alphabets

Mehr als fünf Milliarden Menschen verwenden eines der ca. dreißig bekannten Alphabete, mit den drei weltumspannenden Riesen lateinisches, kyrillisches und arabisches Schriftsystem. Die Hälfte dieser Menschen lebt in einer Kultur, die von lateinischen Buchstaben geprägt wird; sie umfasst mehr als einhundert wichtige Sprachen in über 120 Staaten der Erde.

Mit Ausnahme der koreanischen Hangul-Schrift (in der Mitte des 14. Jahrhunderts entworfen) haben alle anderen Buchstaben gemeinsame Ahnen bzw. einen Stammvater: das proto-kanaanäische (proto-semitische) Alphabet, das um 2000 v.Chr. entstand.

Schriftsysteme

Die drei asiatischen Staaten Aserbeidschan, Turkmenistan, Usbekistan sprechen zwar Turksprachen, sind jedoch Anfang der 1990er-Jahre wieder zum lateinischen Alphabet zurückgekehrt, das unter Stalin 1940 durch Kyrillisch ersetzt worden war. Vor 1920 wurde in allen drei Staaten die arabische Schrift verwendet. Die Türkei entschied sich 1928, arabische Buchstaben gegen latenische zu tauschen. Rumänien gab bereits 1860 Kyrillisch für Lateinisch auf, Vietnam wurde 1910 vom französischen Kolonialherrn auf lateinische Buchstaben umgestellt. In Jugoslawien wurde Serbokroatisch in Serbien mit kyrillischen Buchstaben geschrieben, in Kroatien mit lateinischen. Jiddisch ist nahe verwandt mit dem Deutschen, verwendet jedoch hebräische Schriftzeichen.

Hindi und Urdu haben die gleichen Wurzeln, die Schriftzeichen jedoch sind komplett unterschiedlich (Devanagari bzw. Arabisch). Arabisch wird von weit entfernten Völkern wie den Berbern (Marokko), Farsi (Iran), Kurden (u.a. Iran), Nubiern (Sudan), Paschto (Afghanistan), Uiguren (China) oder Malayen (Malaysia) gepflegt, deren Sprachen kaum miteinander verwandt sind. Selbst die in Afrika von mehr achtzig Millionen Menschen gesprochene Bantu-Sprache Swahili (Suaheli, Kisuaheli) wird in Arabisch ebenso geschrieben wie in Latein.

Buchstabe und Laut

Von allen Sprachen verwendet allein das Finnische ein nahezu rein phonographisches Zeichensystem (Laut = Buchstabe).

Das Wort Buchstabe steht vermutlich für die zum Los (Orakel) bestimmten germanischen Runenstäbchen (*bōks), die als Schriftzeichen (Runen) in schweres Buchenholz punziert wurden. Eine andere Theorie erklärt den Ausdruck Stab mit dem charakteristischen kräftigen Zentralstrich der Runen.

Nicht-alphabetische Schriften

Die zwei Milliarden Menschen, die nicht-alphabetische Schriften verwenden, leben in erster Linie in China, Taiwan und Japan, das um ca. 600 n.Chr. das chinesische System übernommen hat. Vereinfacht ausgedrückt, wird im Mandarin-Chinesisch durch jedes Symbol ein ganzes Wort wiedergegeben, und zwar durch ein sog. Logogramm (griech.: Wort-Buchstabe).

Hindi und Koreanisch sind zwei moderne Sprachen, die Silbenschrift und Alphabet miteinander vereinen.

Pangramm

kürzestes sinnvolles Pangramm (Satz mit allen 26 Buchstaben) der deutschen Sprache: Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern

XYZ

Die Symbole X, Y und Z für unbekannte Variablen in geometrischen Gleichungen wurden 1637 durch den großen Philosophen und Mathematiker René Descartes in seiner Abhandlung La Géométrie eingeführt, zusammen mit A, B und C für Konstanten. Er selbst favorisierte das X, doch wollte Descartes ursprünglich der Symmetrie halber das Z als erste Unbekannte, das Y als zweite und das X als dritte verstanden wissen.

Der Legende nach gingen dem Setzer allerdings für die massenhaft auftretenden Gleichungen in Manuskript die Blocksätze für Y und Z aus, da diese Buchstaben wesentlich häufiger in der französischen Sprache vorkommen als das X. So wandte sich schließlich der Setzer an Descartes, um ihn zu fragen, ob es einen Unterschied machte, welchen der Buchstaben er in Gleichungen mit einer und zwei Unbekannten setzte. Das X wäre drucktechnisch einfacher, da genügend Blöcke zur Verfügung stünden. So wurde das X – besonders im hinteren Teil des Werkes – zur großen Unbekannten Nummer 1.